Miwow

Veröffentlicht von Judith Weinhäupl 18.02.2015  •  Kommentare(0)

Miwow. So etwas Süßes hatte ich wirklich noch nie gesehen! Zugeben, ich war kein Menschenfan, aber das hier war wirklich zum anbeißen! Vorsichtig beugte ich mich über das Menschenkind und schnupperte daran. Es roch nach Milch und seiner Mutter. Das kleine Bündel konnte unmöglich eine Gefahr für mich darstellen. Noch etwas vorsichtiger stupste ich das kleine etwas an und trat dann einige Schritte zurück, um sicher zu gehen, dass hier auch wirklich nichts faul war. Nichts passierte, und so tapste ich auf leisen Pfoten ein- zweimal im Kreis um das Kleine Menschenkind herum. Währenddessen betrachtete ich seine kleine rosa Schnauze genauer und stellte fest, dass das nicht einmal Schnurrhaare besaß! Verächtlich schüttelte ich den Kopf. Das bedauernswerte Ding! Nicht einmal Fell hatte es! Nur ein kleines Büschel bedeckte sein kleines Köpfchen. Langsam tapste ich mit meiner schwarzen Pfote dagegen. Das Ding stieß ein paar seltsame grunzlaute aus, die ich früher schon bei den erwachsenen rosa Affen gehört hatte. Offensichtlich taten sie das immer, wenn ihnen etwas gefiel. Wir Katzen waren da viel einfacher: wenn uns etwas Spaß machte, dann warfen wir uns auf den Boden und versuchten, etwas Bewegliches zu fangen. Menschen waren eben total stinkig. Ich rümpfte meine Nase und wollte mich wieder wegdrehen, als plötzlich die Stimme eines ausgewachsenen Menschen hinter mir ertönte. Wie versteinert blieb ich stehen und schluckte. Was sollte ich jetzt machen?

Wir lassen uns abtrotzen durch Gewalt, Was wir der Güte weigerten!

Friedrich Schiller (Wilhelm Tell II)