Water 2

Veröffentlicht von Judith Weinhäupl 18.02.2015  •  Kommentare(0)

Beck Ich schlug die Augen auf. Ich war in einer Höhle, in der es schön kühl war. Wie seltsam. Ein Gesicht beugte sich über mich. Es gehörte einem Mädchen. Das Gesicht hatte eine kleine Stupsnase. „Hey!“, ertönte ihre Stimme. Sie klang wie flüssiges Silber. Mein Kopf schmerzte. „Üäh!“, stöhnte ich und rieb mir den Kopf. Moby Dick war das letzte, was ich gesehen hatte, und ein Schlag auf den Kopf war das letzte, was ich gefühlt hatte. Wo zum Geier war ich hier und wer war dieses hübsche Mädchen? „Dein Freund hat ein wenig mehr abgekriegt als du. Der arme hat eine böse Wunde an der Schulter. Jemand hat ihn mit einem Pfeil getroffen.“, Äähhh… tja… Ein leichtes Schuldgefühl breitete sich in meinem Magen aus. Immerhin war ich diejenige, die ihm das angetan hatte. „Wer bist du?“, war das einzige, was ich über die Lippen brachte. „Ich bin Beck. Einfach nur Beck. Und du bist…“, ich überlegte kurz und durchforstete mein Hirn, um mich an meinen Namen zu erinnern. „Ich denke, ich heiße Fox.“, Beck erklärte mir, dass ich ordentlich eins über die Rübe bekommen hatte, als sie das Monster vertrieben hatte. Wie sie das gemacht hatte, wollte sie mir nicht verraten. „Ihr habt fast zwei Tage verpennt! Es war echt komisch. Ich dachte ihr währt tot oder so. Wie heißt eigentlich dein Freund?“, wollte sie wissen. Ich stellte ihn als David vor, denn etwas sagte mir, dass sie seinen Namen nicht unbedingt wissen musste. Immerhin könnte sie mir Konkurrenz machen. Sie war hübsch und hatte eine tolle Stimme… und sie konnte ein Monster von enormer Größe vertreiben. Moment- wie konnte sie dieses Monstrum sehen? Ich beschloss, mir später darüber den Kopf zu zerbrechen, denn er fühlte sich schon genug gebrochen an. Oder erbrochen. Je nachdem. Üäh. Ich hatte schon seit Tagen keine richtige Mahlzeit mehr zu mir genommen. „Sag mal, du hast nicht zufälligerweise was zu essen da, oder?“, fragte ich leise, um Ice alias David nicht zu wecken, denn er schlief immer noch. Beck warf mir ein rundes etwas zu. Es war rot und an einigen Stellen gelb und grün. „Was ist das?“, fragte ich misstrauisch. Beck nahm sich selbst so ein Ding und biss hinein. Es schien zu schmecken. Kauend erklärte sie: „Das ist ein Apfel. Bist wohl nicht aus dieser Gegend, hm?“, „Nö. Genauergenommen kommen ich und Ice- ich meine David- aus der Unterwelt.“, sie sah mich ungläubig und mit vor Erstaunen geweiteten Augen an. In dem Moment schien Ice wieder aufzuwachen. „David! Du bist endlich aufgewacht!“, rief ich. „Aber ich heiße doch…“, ich rammte ihm einen Apfel in den Mund. Beck ging kurz mal für kleine Mädchen und während sie weg war, erklärte ich Ice, was Sache war. „Hör zu, Ice: du heißt ab heute David. Aber nur für Beck! Für mich bist du immer noch Ice!“, Ice sah mich an, als ob er gerade einen Geist gesehen hätte. „Verstanden?“, in dem Moment tauchte Beck wieder auf. Ice sagte nichts. Genauergenommen starrte er Beck an. Seine Kinnlade klappte runter und der Apfel polterte zu Boden. Nee jetzt, oder? Beck drehte sich um und glotzte Ice an. Zwischen den beiden konnte man die Funken deutlich sprühen sehen! Es würde eigentlich ganz lustig aussehen, wie sich beide so anstierten, wenn es für mich nicht so furchtbar traurig gewesen wäre. Ich räusperte mich. „Ähm… Ich geh dann mal kurz…“, stammelte ich. Weder Ice noch Beck reagierten. Ich schlich langsam aus dem Raum, um sie mal kurz alleine zu lassen. Und zu heulen. Das konnte doch nicht wahr sein! Der Typ, in den ich mich verknallt hatte, begann zu sabbern, wenn er Beck sah. So langsam konnte ich Beck echt nicht ausstehen. Obwohl sie mein Leben gerettet hatte. Draußen rannte ich ein Stück weit bis ich zu einem weiteren verdorrten Baum kam. Neben ihm setzte ich mich hin. Ich hatte keinen Schatten und die Sonne brannte auf meinen Kopf. Wasser! Befahl ich meinem Körper. Erstens wollte ich nicht, dass man meine Tränen sah und dass ich Sonnenstich bekam. Zweitens wollte ich nicht, dass man mich überhaupt sah. Meine Wasserhand wanderte zum Baum. Ich ließ Wasser in die Erde sickern und gleich sah der Baum viel gesünder aus. Verdorrter und kränker wäre sowieso nicht mehr gegangen. Ich schlang meine Arme um meine Knie und heulte. Natürlich war es total übertrieben, aber ich fühlte mich echt mies. Und alleine. Ich rückte näher an den Baum und lehnte mich dagegen. Kaum hatte ich ihn berührt, sprossen Blätter aus den verdorrten Ästen und er begann zu blühen. Dieses Bisschen Farbe machte mich ein wenig fröhlicher und steigerte somit meine Stimmung von Supersupersupermies auf Supersupermies. Dann dachte ich daran, dass meine Eltern immer noch in Gefangenschaft waren und meine Stimmung sank von Supersupermies auf Supersupersupersupermies. Ich schluchzte leise vor mich hin, bis ich plötzlich Ices Stimme hörte. Sofort hielt ich still, obwohl es eigentlich unnötig gewesen wäre. Ich hätte genauso gut auch in meiner Ecke Tuba spielen können. Der Baum verriet mich. Wieso sollte auch ein Baum plötzlich einfach so blühen, wenn alles um ihn herum verdorrt und ausgetrocknet war? „Fox! Komm schon, zeig dich! Ich weiß, dass du da bist!“, ertönte Ices Stimme. Er kam auf mich zu. Sein Blick traf genau meine Augen. Wieso konnte er mich sehen? Ich warf meine Tarnung ab und würdigte ihn keines Blickes. Mein Blick fixierte ein Sandkorn am Boden, als ob es unglaublich Interessant wäre. „Hey, Fox! Wo warst du denn?“, er setzte sich neben mich. „Du hast ja geweint!“, er wischte mit dem Finger über meine Wange, um die Tränen wegzuwischen. „Lass mich in Ruhe!“, ich stieß seine Hand weg. „Wo ist Beck?“, fragte ich mit zittriger Stimme. „Sie ist in der Höhle und bereitet etwas zu essen vor. Kommst du?“, Er stand auf und reichte mir seine Hand. Wiederwillig griff ich danach und ließ mich in die Höhe ziehen. Den Weg zur Höhle gingen wir nebeneinander. „Wie hast du das mit dem Baum geschafft?“, seine Füße scharrten durch den Sand. „Hab mich dagegen gelehnt.“, erklärte ich knapp. Ich war nicht sonderlich gut auf ihn zu sprechen. „Oh komm schon, Fox. Was ist denn? Bist du sauer oder was?“, ich rollte mit den Augen und ließ mir eine Ausrede einfallen. „Wie würdest du dich fühlen, wenn dein Leben von einem Tag auf den anderen auf den Kopf gestellt wird, dein Zuhause von einem Monster zerstört wird und du gezwungen bist, an der Oberfläche zu bleiben bei zwei wildfremden Leuten?“, Ice schwieg und legte seine Hand auf meine Schulter. Ich wollte sie abschütteln, aber Ice war hartnäckig. Schließlich ließ ich Ices Hand in Ruhe und wir gingen Hand auf Schulter weiter. Der Herzförmige Anhänger Als wir bei der Höhle ankamen, duftete es köstlich nach Essbarem. Ich konnte ein wenig Apfel riechen. Ice und ich betraten die Höhle. Ich versuchte, Beck nicht mein Gesicht zu zeigen, denn ich hatte immer noch total verweinte Augen. Wir setzten uns auf den Boden und Beck servierte etwas, das köstlich roch. Ich war wirklich aufgeregt. Seit Ewigkeiten hatte ich nichts außer Ratten und Gemüse gegessen. Beck reichte mir ein Stück von dem gut riechenden Ding. Ich biss hinein. Es war eine wahre Geschmacksexplosion. Ich schmeckte tatsächlich Apfel. „Was ist das?“, fragte ich neugierig. „Ich nenne es Meck. Eine Abwandlung von Beck. Immerhin mein Gericht. Da drinnen sind eigentlich nur Äpfel und Kaktusfleisch.“, wow. Ich hätte nicht gedacht, dass man Kaktusse essen konnte. Jedenfalls erklärte das, wie Beck überlebt hatte. „Man muss sich eben den Umständen anpassen.“, seufzte sie und reichte Ice ein Stück. Immerhin war in Kakteen Wasser enthalten. Sonst wäre sie wahrscheinlich verdurstet. Aber woher hatte sie die Äpfel? Während ich kaute, fiel mein Blick auf einen wunderschönen Anhänger um Beck’s Hals. Ein silberner herzförmiger Anhänger. „Das ist ein schöner Anhänger.“, sagte ich, denn ich merkte, dass ihr Blick schon wieder zu Ice wanderte. „Oh, danke…“, murmelte sie verlegen. Ich lächelte gezwungen. Einige Tage vergingen, an denen Beck uns zeigte, wie man am besten Wasser aus Kakteen gewinnen konnte (nehmt euch bloß vor den Stacheln in Acht! Manche sind giftig und wenn davon etwas injiziert bekommt, ist man tagelang flachgelegt!), nicht so schnell unter der prallen Sonne einen Hitzeschlag abbekam (bewegt euch so gut wie möglich im Schatten) und wie man sich am besten von Fata Morganas fernhielt (auch wenn es noch so verlockend aussieht: nicht vom Kurs abkommen!). Ice hatte mit der Hitze mehr Schwierigkeiten als ich; der Ärmste (Hüstel) hatte mit seiner Gabe Eis praktisch die A-Karte gezogen. Ich hingegen fühlte mich prächtig. Wann immer ich Durst hatte, verwandelte ich mich in Wasser und schon war der lästige Begleiter abgeschüttelt. Auch wenn das Wasser hin und wieder ein wenig lauwarm schmeckte. Ich begann mich zu fragen, was passieren würde, wenn ich nun schon tagelang unterwegs wäre und ich schließlich schon so schwach war, dass ich mich nicht mehr verwandeln konnte. Schließlich waren solche Fälle bei mir schon aufgetreten. Deshalb begann ich zu trainieren: 20 Runden joggen in der prallen Hitze stellte sich als nicht sehr intelligent heraus. Danach war ich mal für ein, zwei Tage ausgeknockt. Offensichtlich hatte ich mich ein wenig überschätzt. Genügend Zeit für Beck und Ice also, mal wieder heftig zu flirten. Sogar in meinen Fieberträumen konnte ich sie noch kichern hören. Als ich wieder so einigermaßen fit war, begann ich, mich leicht zu steigern. Definitiv eine bessere Methode. Zuallererst machte ich die Stellen aus, an denen ich viel Schatten finden konnte. Dann legte ich mir dort ein paar Markierungen, um sicherzugehen, dass es sich nicht um eine Fata Morgana handelte (ich wusste zwar nicht, was das war, aber Beck meinte, ich würde sie erkennen. Spätestens, wenn sich ein meiner Meinung nach fester Gegenstand plötzlich vor mir in Luft auflöste). Auch dies dauerte einige Tage, denn ich musste zuerst die Gegend auskundschaften. Sonst verlief ich mich noch irgendwo und fand nie wieder zurück, würde eines qualvollen Todes sterben und Ice und Beck lachten sich insgeheim ins Fäustchen. In diesen Tagen bemerkte ich, dass die beiden versuchten, etwas vor mir zu verbergen. Kaum hatte ich mein Mittagessen beendet, stahlen sich die beiden davon, wenn sie meinten, dass ich nicht hinsah. Aber meinem scharfen Auge entging nichts. In den darauffolgenden Nächten schliefen die beiden nebeneinander und als ich vor ihnen aufstand, um meine Runde zu drehen, bemerkte ich dass sie wohl Hand in Hand eingeschlafen sein mussten. All das traf mich tief ins Herz und brachte mich dazu, noch weiter an meine Grenzen zu gehen. Ice, der Junge, den ich liebte. Der Junge, den ich liebte und der mich verstieß. Mich abwies als ob er etwas heißes angefasst und sich daran verbrannt hätte. Doch ich gab nicht auf. Ich würde den Blackbloods schon zeigen, wer hier das Sagen hatte. Und dieser jemand war ich. Nicht Blackdemon. ICH! Und vor allem musste ich stärker werden. Vielleicht bildete ich mir das alles ja nur ein. Vielleicht. Besuch Keuchend erreichte ich den rettenden Schatten und vollkommen fertig sackte ich dort zusammen. Ein schwitzendes, kleines Häufchen Elend. Durst. Durst! Durst!! DUHUHURST! Ein unangenehmes Gefühl hatte sich in meinem Magen ausgebreitet und meine Zunge schien zu groß für meinen Mund. Wasser! Es funktionierte nicht. WASSER WASSER WASSER! Genau das hatte ich befürchtet. Meine Umgebung begann zu schwanken und ich fragte mich, ob das Teil des Verdurstungprozesses war. Ein ohrenbetäubendes Brüllen. Unmöglich! Ich sah mich nach allen Seiten um und erwartete beinahe, Moby Dick zu entdecken, der endlich gerafft hatte, dass ich noch nicht den Löffel abgegeben hatte. Doch was ich sah, war noch um einiges schlimmer als Moby Dick. Ich beschloss kurzzeitig, das Ding Godzilla zu nennen, bevor ich mich umdrehte und meine letzten Energiereserven dafür aufbrauchte, irgendwie lebend (und hoffentlich in einem Stück) zu Becks Höhle zu kommen. Doch leider merkte ich, dass ich wohl noch nicht ganz so fit war, wie ich gedacht hatte, denn nach ungefähr hundert Metern spielten meine Beine nicht mehr mit. BEWEGUNG! HALLOOOOOOOO! Ich zwang meine Beine, sich einfach weiterzubewegen, obwohl sie schon schmerzten, als ob ich vorhin schon gelaufen war. Ach ja, richtig, hatte ich ja. Mit dem heißen, stinkigen Atem von Godzilla im Nacken stürzte ich in die Höhle und landete unsanft auf meinem Steißbein. „Uuuuuuiiiiiiiii!“ Ice und Beck fuhren überrascht auseinander. Offensichtlich hatten sie wieder einmal eine schöne Zeit ohne mich gehabt. Die beiden sahen mich feindselig an, als ich mich aufrichtete. „Macht ruhig weiter! Tut einfach so, wie wenn ich nicht da wäre! Ich bin nur bloß von Godzilla um ein Haar GEFRESSEN WORDEN!“, Als wollte Godzilla es bestätigen, klatschte sein offensichtlich gut gepanzerter Schwanz auf die Höhlendecke. Zum ersten Mal fragte ich mich, ob die Höhle wohl eine stabile Decke hatte. Und mein armer Baum war da draußen ganz alleine! „Wer ist Godzilla?“, fragten Ice und Beck wie aus einem Munde. „Ach, Moby Dicks großer Bruder hatte nur einmal Lust uns einen kleinen Besuch abzustatten. Aber, keine Sorge, der will nur spielen!“, meine Stimme hatte einen leicht sarkastischen Unterton angenommen. Ich glaube, ich war sauer. „Moby Dicks Bruder wird die Höhle nicht freigeben. Selbst Moby Dick ist hartnäckig, aber Moby Dick drei Mal vergrößert…“, „Du hast recht. Ihr müsst los!“, sagte Beck. „Wie jetzt? Du kommst nicht mit?“, fragte Ice schockiert. Juhu! Beck schüttelte den Kopf. „Das ist nicht meine Reise. Ich wünsche euch aber viel Erfolg.“, Ice nickte. „Wir brauchen einen Plan…“, „Was du nicht sagst.“, Beck überlegte kurz. „Versucht, hier irgendwie ungesehen rauzukommen. Ihr müsst dazu im toten Winkel bleiben. Am besten hinter dem Monster,“, Ein Knallen ertönte, als ob gerade eine riesige Keule auf die Decke eingeschlagen hätte. Sand rieselte davon ab. Und noch einmal schlug die Keule ein. Hinter Moby Dicks Bruder war es bestimmt sicherer, zumal hatte das Biest eine Keule im XXL Format integriert. Und zwar hinten. Die Decke bekam Risse und kleine Steine fielen herunter. „Lauft!“, Rief Beck. Sie war vor Angst wie gelähmt. Ich packte Ice an der Hand und wollte weglaufen, aber er drehte sich nach Beck um. Ach, die konnten mich mal! Ich lief hinaus, direkt in einen Sandsturm hinein. Mit der Hand verdeckte ich meine Augen. Der Wind zerrte an meinen Kleidern und ich suchte verzweifelt nach dem Monster. Wo war es? Hinter mir glaubte ich, die Höhle einstürzen zu hören. Hoffentlich hatten es Ice und Beck noch rechtzeitig hinausgeschafft! Wenn nicht, dann… dann war ich alleine. Ein Brüllen ertönte hinter mir. Der Plan mit dem toten Winkel war ein Schuss in den Ofen gewesen. Das Monster stürzte auf mich zu. Ich begann zu laufen. Panik stieg in mir auf. Vor mir konnte ich die Kontur von einem riesigen Felsen erkennen. Saß ich in der Falle? He, Moment mal… Seit wann konnten sich Felsen bewegen? Da fiel mir ein: mein Freund war ja immer noch hier irgendwo! Noch nie in meinem Leben war ich so froh, Moby Dick zu sehen. Kampf der Giganten Ich stürzte auf Moby Dick zu und rief ihn beim Namen. „Moby! Moby!“, er drehte sich nach mir um und als er mich sah, rannte er auf mich zu. Ich drehte um und kurz bevor ich in Moby’s Bruder knallte, schlug ich einen Haken nach rechts und wieder rammte der arme Moby Dick seinen Kopf gegen den Sandsturmfreak. Beide gingen K.O. Sofort legte sich der Sandsturm. Langsam ging ich auf Moby zu und tätschelte mit der Hand seinen Kopf. „Danke, Moby.“, flüsterte ich, drehte um und lief zur Höhle, um nach Ice und Beck zu sehen. Keuchend erreichte ich die Höhle. „Ice? Beck?“, rief ich, die Hände zu einem Trichter geformt. Meine Stimme war heiser vor Trockenheit. Körper: Wasser! Augenblicklich bestand ich wieder aus Wasser. „Ice! Beck!“, ein leises Husten ertönte. Ich stürzte auf den Trümmerhaufen zu, der einst Beck’s Höhle gewesen war. Mit zittrigen Händen schaufelte ich ein paar Steinbrocken weg. Ein blonder Haarschopf kam zum Vorschein. „Ice! Oh Gott was bin ich froh!“, Ich packte ihn an den Händen und zog ihn hervor. „Wo ist Beck?“, nuschelte er. Interessierte es ihn nicht, wie ich Moby Dick’s Bruder erledigt hatte? Ice sprang auf und durchwühlte den Haufen, bis er eine Hand entdeckte und daran zerrte. Ich eilte ihm zu Hilfe und schleppte mehr Steine weg, bis wir Beck freigelegt hatten. Ich spritzte ein wenig Wasser ins Gesicht, damit sie aufwachte. Mit müden Augen sah sie mich und Ice an. „Danke, Leute…“, flüsterte sie mit rauer Stimme. Ihr schien nicht einmal aufzufallen, dass ich aus Wasser bestand. Oh oh. Ice nahm Beck’s Hand und drückte sie. Ich räumte noch einen Stein weg und darunter kam eine Wunde zum Vorschein. Das sah nicht gut aus! Beck hob kaum merklich ihre Hand, die sie zu einer Faust gemacht hatte. Ich kniete mich neben sie. Sie öffnete ihre Hand und darin lag- der Anhänger. „Nimm ihn!“, formte sie mit den Lippen und drückte ihn mir in die Hand. „Aber nein, Beck! Das kann ich nicht annehmen!“, flüsterte ich, meine Stimme erstickt von Trauer. Ich nickte mit Tränen in den Augen und hängte ihn um meinen Hals. Beck nickte mit einem leichten Lächeln in den Mundwinkeln und schloss die Augen wieder. Für immer? Nein, das durfte nicht sein! Ice stieß ein hektisches Keuchen aus und versuchte, etwas zu unternehmen, doch es half nichts mehr. Ich fühlte mich so schuldig! Ich hatte die beiden einfach so in der Höhle gelassen! Tränen verschleierten meine Sicht und ich senkte meinen Blick weg von Ice, der genauso überwältigt war wie ich. Neben mir hob Ice Beck in die Höhe und ging vom Schutthaufen weg. Ich blieb, wo ich war und starrte wie versteinert auf die Stelle, an der gerade eben noch Beck gelegen hatte. Ein dicker Kloß bildete sich in meinem Hals. Ich schluckte schwer. Heiße Tränen liefen mir die Wangen hinunter. Plötzlich stieß ich einen sie herzzerreißenden Schrei aus, voller Trauer um Beck, voller Wut. Ein schweres Gewicht lastete auf mir, und ich musste feststellen, dass es Becks Anhänger war. Mit einem Mal verschwor sich mein Körper gegen mich und gegen meinen Willen sprang ich auf und lief Ice nach. Als ich ihn eingeholt hatte, flüsterte ich: „Es war nicht deine Schuld. Ich war es. Ich hab euch zurück gelassen.“, Ice warf mir einen wütenden Blick zu, der mich verstummen ließ. Ich senkte den Blick, um nicht Beck sehen zu müssen. „ Ich weiß, wohin wir sie bringen können.“, nuschelte ich kleinlaut und verstummte sofort wieder. Ice und ich trugen sie zum Baum, der immer noch so schön blühte. Behutsam legten wir Beck dort auf den Boden, legten sie so hin, als ob sie schlafen würde, zupften die Blüten vom Baum und legten sie in einem Kreis rundum Beck. Wir verabschiedeten uns von Beck mit einer äußerst seltenen Geste. Ich nahm ein wenig Asche aus einem Beutel, den ich immer bei mir trug, und malte dann mit der Asche einen Kreis mit Stern in der Mitte auf ihre Stirn. Es war das schönste und traurigste Begräbnis, das ich je erlebt hatte. Genaugenommen war es das erste und hoffentlich letzte. Ice und ich beschlossen, diese Nacht Totenwache zu halten. Es dämmerte langsam und wir setzten uns Rücken an Rücken an den Baum. Als es finster wurde, saß ich noch einige Zeit lang da und musste daran denken, dass meine Eltern gerade eben genauso mausetot wie Beck sein könnten. Tränen liefen mir die Wangen runter und ich wischte sie verstohlen weg, doch da stellte ich fest, dass Ice schon eingenickt war. Auch ich beschloss, ein wenig Schlaf zu suchen, obwohl es aussichtslos war. Jeder Tag, den ich hier an der Oberfläche verbrachte, war noch um einiges schlimmer als der schlimmste Tag meines Lebens. Seine Hände glitten über den Hut und vorsichtig schob er die rechte Hand hinein, um gleich darauf ein Häschen herauszuziehen. Die Menge applaudierte. Auch ich klatschte begeistert. „Nun brauche ich einen Freiwilligen!“, rief er feierlich und sah uns erwartungsvoll an. Niemand meldete sich. Ich lächelte und wartete darauf, dass sich jemand meldete, doch es kam nichts. „Kein Freiwilliger? Dann werde ich wohl einen von euch wählen müssen!“, er ließ seinen Blick über die Menge schweifen und deutete schließlich- auf mich. „Bitte, Signore! Treten sie auf die Bühne, nur zu! Keine Angst!“, „Ich und Angst! Pah!“, sagte ich lässig, wuschelte mir das blonde Haar und ging schlendernd auf die Bühne. Mein gelassenes Äußeres täuschte gut über meine Angst in mir weg. Ich hasste Zaubershows. Schon bevor ich den Dorfplatz betreten hatte, hatte ich gewusst, dass es eine blöde Idee war. Innerlich war ich total aufgeregt. Was würde er machen? Ich erklomm die letzte Stufe hinauf zum Podest und winkte kurz in die Menge, in der irgendwo meine kleine Schwester stehen musste. „Seht, unser mutiges Testkaninchen!“, rief der Zauberer. Testkaninchen? War das negativ aufzufassen? „Bist du bereit, das unmögliche wahrzumachen?“, fragte der Zauberer geheimnisvoll. Alles nur Klischee. Ganz sicher sogar. Dachte ich und sagte: „Ja ja, alles klar. Dann schieß mal los.“, niemand sollte meine Angst sehen, nicht einmal das Mädchen mit den roten Haaren, das da in der Menge stand und immer wieder meine Blicke auf sich zog. Sie sah echt umwerfend aus. „Bist du bereit, unendliche Höllenqualen zu leiden?“, Klischee. Seine Zaubershow triefte bloß nur so von Klischee. „Ja, ich bin bereit.“, sagte ich und biss die Zähne zusammen. Das Mädchen mit den roten Haaren sah mich interessiert an. Vermutlich wollte sie ebenfalls wissen, was als nächstes passierte. Der Zauberer hob die Hände und fuchtelte in der Luft herum. Beinahe hätte ich laut losgelacht. Doch plötzlich formte sich in der Luft ein eisblauer Ball. Ich hasste Zaubershows. Der Zauberer verdrehte die Augen, und begann seltsam zu zucken. Der Ball nahm eine enorme Größe und eine eisblaue Farbe an. Ich hätte weglaufen sollen. Der Ball sauste auf mich zu und traf mich mitten ins Herz. Die Menge hielt den Atem an. Mir blieb die Luft weg. Unglaubliche Kälte durchströmte meinen Körper. Mit einem Mal war alles vorbei. Mein Blick wanderte zu meinen Füßen. Ich erschrak. Ich stand inmitten eines Eissterns. Geschockt hob ich meine Hände und betrachtete sie. Eiskristalle wuchsen daran heraus. „Was… was haben sie mit mir gemacht?“, fragte ich, nicht in der Lage zu begreifen, was passiert war. Ich konnte nichts mehr fühlen! Wo war die Wärme geblieben? Wir hatten Juli! Der Zauberer stand da und sah zu, was mit mir passierte. Eis. Überall Eis. „Es hat nicht funktioniert…“, murmelte er. „Du bist verflucht… du bist verflucht!“, Ich wich zurück. Ich hatte Angst. Unglaubliche Angst. Ich wich zurück, bis ich gegen das Geländer stieß. Eine alte Frau eilte auf mich zu und kniete neben mir nieder. „Hör zu. Ich kann dich nicht heilen.“, „Große Hilfe, danke.“, presste ich hervor. „Ich kann dich nicht heilen, aber ich kann den Fluch umkehren. Du kannst es als Gabe betrachten, wenn du willst.“, ich nickte unter Tränen. Ich hatte Schmerzen, unglaubliche Schmerzen und Angst. Schlechte Kombination. Sie legte ihre Hand auf meine Brust und murmelte etwas Seltsames in einer anderen Sprache. Der Schmerz schwoll zu einem Monster in mir an und vor meinem inneren Auge erhellte ein gleißender Blitz die Finsternis. Ein Schrei entfuhr meinen Lippen und die Menge kreischte vor Grauen. Dann waren die Schmerzen weg und ich wusste nichts mehr. Abschied Ich wachte nach einem kurzen Schläfchen wieder auf. Ice zuckte im Schlaf, als ob er Schmerzen hätte. Vermutlich Herzschmerz. Den hatte ich auch.. Oder er hatte einen furchtbar schlechten Traum. Genau wie ich. Ich hatte geträumt, dass wir ein Mädchen namens Beck kennengelernt hatten. Sie starb bei dem Angriff eines Monsters. Doch da fiel mein Blick auf die leblose Beck neben mir. Es war kein Traum gewesen? Oh mann. Ich strich mit der Hand über mein Gesicht, um den Schlaf aus meinen Augen zu wischen. Ich hatte gehofft, dass es einer gewesen wäre. Ich packte Ice an der Schulter und rüttelte ihn. „Zauberer…“, murmelte er. „Verflucht…“, „Ice!“, ich boxte ihn in die Magengegend. Ice fuhr hoch und schnappte nach Luft. „Was ist los? Wo bin ich?“, „Psst…ganz ruhig! Alles ist in Ordnung.“, beruhigte ich ihn. „Wir sind nur an der Oberfläche, in Lebensgefahr, Beck ist gestorben und Moby Dicks Bruder ist hungrig!“, ich holte ihn in die Realität zurück. „Du hast recht. Wir müssen weiter.“, sagte er, strich mit den Fingern über Becks Stirn und nahm meine Hand. Hach… „Gehen wir?“, fragte er mit zitternder Stimme. Ich nickte zaghaft und wir sammelten unser Hab und Gut zusammen, um weiterzuziehen. Das einzige, was uns fehlte, waren Beck, der Blackstone und ein Plan, wie wir wohl die Welt retten sollten. Wir waren wirklich gut organisiert. Hand in Hand gingen wir los, ins Ungewisse. Wohin uns unser Bauchgefühl wohl führen mochte? Mit einem letzten Blick auf Beck bogen wir um die Ecke. „Was sollen wir jetzt machen?“, fragte Ice nach einiger Zeit, um das Schweigen zu unterbrechen. „Ich weiß es nicht, Ice.“, Ich sollte Beck vergessen. Wir hatten uns so kurz gekannt, sie hätte mir fast Ice ausgespannt und ich hatte sie sterben lassen. „Woher wissen wir eigentlich, dass die Blackbloods ihr Versteck hier oben haben? Wo sie doch bei uns in der Unterwelt waren?“, Ice hatte recht. Wow. Das war ja mal was neues. „Die müssten doch gar nicht fliehen. Die haben ja die Blackstones.“, Aber wie sollten wir das Versteck finden? „Sieh mal.“, Ice deutete auf zwei Fußspuren im Sand. „Ich glaube, wir sind auf der richtigen Fährte“, er kniete daneben nieder und untersuchte sie. „Keine zwei Stunden her. Den Spuren nach sind sie gemütlich gegangen. Wenn wir laufen, holen wir sie ein. Los, wir dürfen keine Zeit verlieren!“, endlich war er wieder gut gelaunt. Offensichtlich hatte durch die Aufregung Beck vergessen. Er sprang hoch und lief los, ich dicht an seinen Fersen. Nach ein paar Metern allerdings blieb er stehen und kniete wieder neben den Spuren nieder. „Was ist los, Ice?“, Ice betrachtete die Spuren genauer. „Hier. Siehst du diese Spur hier?“, er deutete auf einen Fußabdruck, der so aussah, als ob er eine Sternschnuppe war, denn er einen Schweif am anderen Ende. „Sie sind gerannt…“, murmelte Ice. „Wieso sie?“, „Kennst du eine Person mit vier Füßen?“, seine Stimme nahm eine belustigten Unterton an. Ich schüttelte den Kopf. „Na also. Sieht so aus, als ob sie verfolgt würden. Ich fürchte, dass das ein Blackblood gewesen sein könnte.“, und die beiden Spuren? Die waren also nicht von einem Blackblood? „Diese Abdrücke sind eindeutig von Menschen.“, woher wollte er das wissen? Ich dachte, er wusste bis vorhin noch gar nicht, was ein Blackblood war? „Heißt das, es gibt noch mehr Leute, die hier an der Oberfläche leben?“, „Offensichtlich. Dennoch ist es mir ein Rätsel, wie sie überlebt haben. Hier oben gibt es praktisch nichts zum Überleben.“, Es stimmte. Wie ich bemerkte, war mein Hals trockener als der Sand, der hier überall herumlag. Unsere Diskussion wurde von einem gellendem Schrei unterbrochen. Ice und ich fuhren gleichzeitig hoch. So schnell wir konnten, versuchten wir, zu der Person zu gelangen, der dieser Schrei entfahren war. Zum Glück dieser Person waren wir nicht allzu weit entfernt. Schnaufend kamen wir an. Allerdings durften wir dort nicht verschnaufen, nein. Wir mussten uns sofort ins Gefecht stürzen. Ein Blackblood stand da, über ein Mädchen gebeugt. Sie war um die dreizehn Jahre alt, drei Jahre jünger als ich! Und sie sah erbärmlich ausgemergelt und halb verdurstet aus. Sie hatte aufgesprungene Lippen, offensichtlich war sie schon länger hier oben und knapp vorm verdursten! Verängstigt und kaum zu einer Bewegung fähig vor Angst starrte sie den Blackblood an, als wolle sie sagen: Bitte! Nein! Der Blackblood hatte eine scharfe Waffe in der Hand und in seinen Augen sprühten Funken vor Mordlust. Er war schlaksig und nicht gerade muskelbepackt. Das würde Spaß machen! Wäre da nicht der Blackstone. Ohne zu überlegen stürzte ich auf ihn zu und ehe er reagieren konnte, lag er durch die Wucht meines Aufpralls am Boden. Keine Sekunde zu spät. Das Messer segelte durch die Luft und landete etwas weiter entfernt von ihm. Ich presste ihn mit aller Kraft zu Boden. War es wirklich so einfach, einen Blackblood zu fangen? Da war doch etwas faul! Kaum hatte ich das gedacht, drehte sich der Blackblood zur Seite und ich landete auf meinem angeknacksten Steißbein. „Uuuuiiiii!“, entfuhr es mir. Ice reagierte blitzschnell und machte dasselbe mit dem Blackblood, was er mit mir damals gemacht hatte; er fror ihn ein. Allerdings schien das dem Blackblood nicht viel auszumachen. Diese Blackstones konnten echt unfair sein. Immer zerstörten sie alles. Sofort wurde das Eis gesprengt und er lief einfach weiter, als ob nichts wäre nichts gewesen. Allerdings steuerte er jetzt auf Ice zu- ich heftete mich an seine Fersen, konnte ihn aber nicht erwischen. Ich sah ihn schon auf Ice zuspringen, als er plötzlich von der Seite gerammt wurde. Das Mädchen- sie hatte braune Haare, das war mir gerade aufgefallen- rannte in ihn hinein, warf ihn zu Boden und trat ihn ein paarmal kräftig in die Rippen. Offensichtlich hatte sie ihre letzten Kräfte zusammengekratzt um uns zu helfen. Der Blackblood schrie vor Schmerz auf. Geschieht dir recht, du Bastard! Dachte ich und sperrte ihn in meinem Wasserkäfig ein. Ice erledigte den Rest. Gegen die Vereinung von zwei verschiedenen Kräften konnte ein Blackstone nicht so viel ausrichten. Glücklicherweise. Ich reichte dem Mädchen die Hand und half ihr hoch. „D-danke…“, stammelte sie und richtete ihre Haare. Oh nein! Vielleicht war sie ja auch nicht wegen des Blackbloods geschockt, sondern weil sie ein Mädchen und einen Jungen gesehen hatte, die Wasser und Eis aus ihren Händen schießen gelassen hatten. Uups. „Die Sache mit dem Wasser…“, nuschelte ich und strich mir eine Haarsträhne hinters Ohr. „Oh, das ist es nicht. So etwas bin ich gewöhnt.“, So etwas konnte man nicht gewöhnt sein! Sie war ein normales Mädchen! Sie seufzte und stampfte mit dem Fuß auf den Boden. Neben mir sprießte eine rote Blume aus dem Boden. „Ähm…“, ertönte es hinter mir. Ice hätte ich ja fast vergessen! „Das kann nicht sein. Wie hast du das gemacht?“, das Mädchen zuckte mit den Schultern und betrachtete die Blume, die schon wieder am verdorren war. Ich stupste die Blume mit dem Finger an und augenblicklich schoss ihr hängendes Köpfchen wieder in die Höhe. „Danke.“, ich lächelte. „Wie heißt du?“, das Mädchen räusperte sich und stellte sich dann als Ary vor. „Hi Ary. Schön, dich kennenzulernen.“, wehe, du machst denselben Fehler wie Beck! Fügte ich in Gedanken hinzu. Aber das Kind war nicht mehr als zwölf, da war ich mir sicher. Ices Blick wanderte Richtung Blackblood. „Denkst du, was ich denke?“, fragte er und zwinkerte. „Kommt darauf an, was du denkst…“, Ice stürzte auf den Blackblood zu und hielt ihm seine Hand ins Gesicht. „Du verrätst uns jetzt, wo euer Versteck ist, sonst kannst du nächsten Fasching als Schneemann verkleidet gehen!“, drohte er ihm und ein paar Eisblitze schossen aus seiner Hand. Der arme Blackblood, total überwältigt vor Angst, brachte kaum ein Wimmern hervor. Das würde ja heiter werden. Ich war ziemlich überzeugt, dass das alles eine Masche war und er uns nur hinhalten wollte. Ice stupste den Blackblood auf die Nase und ein Eiszapfen wuchs daraus hervor. „Ich sag es ja! Ich sag es ja!“, rief er panisch und deutete Richtung Osten. Mit einem zufriedenen Ausdruck im Gesicht wendete er sich uns zu. „Und was machen wir jetzt mit ihm?“, fragte ich unsicher. „Am besten, wir lassen ihn da, wo er ist. Der andere Blackblood sitzt immer noch da fest.“, woher wusste er das nun wieder? Ich beschloss, ihn das bei passender Gelegenheit zu fragen. Wir entschieden, Ary mitzunehmen. Die Ärmste konnte nicht einfach da draußen alleine bleiben! Schon gar nicht in diesem Zustand! „Auf Richtung Blackbloodversteck!“, rief Ice voller Begeisterung. „Ja!“, rief ich, jedoch weniger begeistert. Ich hegte meine Zweifel gegen den Blackblood. Ary war ein verträumtes Mädchen. Das bemerkte ich jetzt schon. Während wir alle durch die Wüste stapften, ließ das kleine Mädchen immer wieder Blumenranken an ihrem Arm hochwachsen und sie dann in ihren Haaren verschwinden, wo sie sich zu einer riesigen Blume heranschwollen und dann wie eine Haarspange auf ihrem Kopf thronte. Bei Arys Anblick vergaß ich, was gestern alles Schlimmes passiert war. Ice ging es in diesem Fall ein wenig anders. Ich wagte mich näher an ihn heran und nahm schließlich seine Hand in meine. Alles wird gut. Alles wird gut. Überrascht schreckte ich hoch, als ich merkte, dass Ary ebenfalls nach meiner Hand griff und leise flüsterte: „Danke.“, ich lächelte. Es war schon finster, als wir unter einem Felsvorsprung ein Lager aufbauten. Wenn man es Lager nennen konnte, wir hatten ja nicht wirklich viel bei uns. Aber im Boden war eine Kuhle, die ich mit Wasser anfüllte, und Ice und Ary begannen gierig daraus zu trinken und ihre trockenen Kehlen zu befeuchten. Zu Essen hatten wir nichts, immerhin hatte uns Godzilla keine Möglichkeit gelassen, etwas mitzunehmen. Also schliefen wir mit leeren Mägen und trockenen Mündern ein. Flames Erwachen Ich schlug die Augen auf. Es war so unglaublich heiß. Schwerfällig hob und senkte sich meine Brust. Alles schmerzte an mir. Was war passiert? Ich hatte keinerlei Erinnerung an das, was passiert war. Wo war ich? Wie war ich hierhergekommen? Langsam richtete ich mich auf. Mir war schwindelig, weil ich so lange in der Sonne gelegen hatte. Mir war übel und es ging mir wirklich mies. Wie viel Zeit war vergangen? Ich wusste es nicht. Mit wackeligen Beinen kämpfte ich mich in die Höhe und hielt mich an dem Baum fest, unter dem ich gelegen hatte. Erst jetzt viel mir auf, dass er blühte. Ich stöhnte und fasste mir an den Kopf. Etwas stimmte hier nicht. Ganz und gar nicht. Mein Blick wanderte von dem blühenden (Blühend?!) Baum zu einem Felsen, der verlassen in der Gegend herumstand. Jetzt wusste ich, wieso etwas nicht stimmte. Der Felsen brannte! Was zum… Wie in Trance bewegte ich mich darauf zu. Das helle Licht der Flammen blendete mich, doch ich ging ich darauf zu, als ob es mich magisch anziehen würde. Ich wollte es haben. Ich musste es haben. Jetzt sofort. Ich konnte ihm nicht widerstehen. Doch gleichzeitig sträubte ich mich dagegen. Das war gefährlich! Doch ich konnte nichts tun. Vor dem Felsen kniete ich nieder. Vorsichtig legte ich die Hand darauf. Es war nicht heiß. Es fühlte sich an wie ein normaler Stein. Ich war vollkommen fasziniert. Doch plötzlich veränderte sich das Gefühl. Es wurde von kühl zu lauwarm. Es wurde von lauwarm heiß. Immer heißer. Ich wollte die Hand wegziehen, doch es ging nicht. Ich wollte schreien. Hilfe suchen. Doch ich war alleine. Die Hitze begann, meinen Arm hochzukriechen. Ich hatte Angst- unsagbare Angst. Was würde geschehen? Die sengende Hitze erreichte meine Schulter und wanderte auf mein Herz zu. Es war tödlich. Ich schrie, schrie meinen ganzen Schmerz aus mir heraus, schrie vor Angst. Mit einem Mal sammelte sich alles in meinem Herzen- immer mehr staute sich darin, immer mehr und immer mehr bis mein Herz zu zerspringen drohte- und ich explodierte innerlich. Ich erhob mich in die Lüfte. Ich war eine Sonne. Ich strahlte wie ein heller Stern. Die ganze Wüste erfüllt von Feuer. Macht. Diese Macht kam von - mir! Lodernde Flammen züngelten an mir hoch. Doch ich selbst brannte nicht. Ich hatte diese Flammen gern. Unzerstörbar und trotzdem tödlich. Aber dennoch spendeten sie Wärme. Sie waren meine wahre Berufung. Der Vogel Mit einem Schrei fuhr ich hoch und ich versuchte, zu erkennen, wo ich war. Ich beruhigte mich erst wieder, als ich Ice und Ary gefunden hatte, um sicher zu gehen, dass ich nicht alleine war. Die beiden lagen da und hatten einen friedlichen Ausdruck im Gesicht. Am liebsten wollte ich mich zu Ice kuscheln, aber im letzten Moment hielt ich mich zurück. Ich hatte einen fürchterlichen Albtraum gehabt. Glücklicherweise konnte ich mich nicht daran erinnern. An Schlaf war jetzt nicht mehr zu denken. Außerdem ging bald die Sonne auf. Ich lehnte mich also gegen die Mauer und wartete, als plötzlich Arys Stimme ertönte: „Warum hast du geschrien?“, wollte sie wissen. Erschrocken blickte ich auf. Ich seufzte und umschlang meine Knie mit meinen Armen. „Das… Das ist eine lange Geschichte…“, begann ich und senkte meinen Blick zu Boden. „Erzähl sie mir. Ich liebe Geschichten!“, bettelte sie. „Meine Mutter hat mir früher immer Geschichten vorgelesen.“, fügte sie traurig hinzu. Ich konnte diesem Mädchen diesen Wunsch nicht abschlagen. Sie hatte einen traurigen Ausdruck in ihren Augen, als sie von ihrer Mutter sprach. Und so begann ich zu erzählen. „Vor einiger Zeit lebte einmal ein Mädchen. Sie hatte beide Eltern verloren…“, ich erzählte ihr alles. Ehrlich, ohne ein Detail auszulassen. Über die Blackstones, Ice, Moby Dick, Godzilla… und Beck. An dieser Stelle kam ich ins Stottern und musste kurz die Tränen zurückhalten. „Und diesen Anhänger habe ich von ihr bekommen.“, sagte ich schluchzend und hielt ihn in die Höhe. Im Licht der aufgehenden Sonne glitzerte er rosa. Ary griff danach und betrachtete ihn sorgfältig von allen Seiten. „Er ist ganz schön schwer für diese Größe.“, bemerkte sie interessiert und legte ihn vorsichtig zurück in meine Hand. Ary hatte die ganze Zeit über gespannt meiner Geschichte gelauscht; nie war sie von etwas abgelenkt worden oder eingenickt. „Ice hat das Ganze ein wenig mitgenommen.“, erklärte ich mit tränenerstickter Stimme und schloss somit meine Geschichte. Ary öffnete die Hand und ließ eine wunderschöne, himmelblaue Blume daraus sprießen. „Hier. Für dich.“, sagte sie lächelnd und steckte mir die Blume ins Haar. Ich konnte eine Träne nicht zurückhalten und fühlte, wie sie mir die Wange herunterlief. Der Kloß in meinem Hals schien mich beinahe zu ersticken und ich schluckte mehrmals schwer. Ich wollte nicht als totale Heulsuse dastehen, vor einem zwölfjährigen Mädchen. Ich drehte den Kopf weg und wischte mir die Träne verstohlen weg. Ich war froh, dass Ice aufwachte und das Schweigen zwischen mir und Ary unterbrach. Verschlafen rieb er sich die Augen und sah uns beide mit einem Blick an, der so viel bedeutete wie: Oh mein Gott, wie kann man so früh schon wach sein? Sein verwirrter Anblick zauberte mir ein leichtes Lächeln auf die Lippen. Mit einem: „Hrmpf!“,erinnerte er uns daran, dass wir gestern keine Mahlzeit in den Magen bekommen hatten und er das nicht wirklich toll fand. Ich selbst war auch nicht wirklich begeistert davon. Verzweifelt versuchte ich, mich zu erinnern, was Beck uns erklärt hatte: außer Kakteen werdet ihr nicht wirklich was finden außer Sand. Ich fragte mich nur, wo sie die Äpfel herhatte. Ich tastete nach meinem Bogen und erleichtert stellte ich fest, dass noch alles da war. Ich war immer noch in den Gedanken vertieft, wo die Äpfel herkamen, als hoch oben am Himmel ein Kreischen ertönte-aus alten Erinnerungen wusste ich, dass dieses Kreischen zu einem Vogel gehörte. Neugierig verließ ich die Höhle und starrte hoch in den Himmel. Da oben flog tatsächlich ein Tier mit weit ausgebreiteten Flügeln. Ich zückte sofort meinen Bogen und zielte auf das Tier. Ich verfehlte es. Auch die nächsten zwei Schüsse gingen daneben. Der Vogel flog schon zu hoch. Mit einem wütenden Schrei rammte ich meinen Bogen in den Sand warf meinen Köcher zu Boden. Das Essen flog da oben am Himmel herum und ich war zu blöd, um es herunterzuschießen. Aber…Moment mal. Wenn der Vogel hier überlebt hatte, dann musste es hier irgendwo eine Oase oder so geben. Ice und Ary waren inzwischen aus der Höhle herausgestürzt, um zu sehen, was ich denn nun schon wieder für ein Problem hatte. „Ice, ich glaube, ich habe gerade dein Essen wegfliegen lassen!“, wimmerte ich mit einer peinlich weinerlichen stimme. Ich krallte meine Hände in den heißen Sand. Ich spürte sofort, wie sich der Sand unter meine Fingernägel grub. Ice blickte nach oben und sah dem inzwischen winzigen schwarzen Pünktchen, das einmal Essbares gewesen war nach und seufzte. Mit den Fingern rieb er sich über seine Augenlider. Da oben am Himmel war kein Wölkchen zu sehen und die Sonne stand exakt über unseren unbedeckten Köpfen. Mein Mund war noch trockener als diese ganze verdammte Wüste zusammen und das machte mich sauer. Ich bereute langsam, Ice nach hier oben gefolgt zu sein. Ich ließ einen Schrei los, der allerdings in einem Geröchel unterging, weil mein Hals viel zu trocken war. Wenigstens ein Lichtblick: Irgendwo hier in der Nähe musste es Wasser und Essbares geben, sonst hätten wir diesen Vogel nicht gesehen. Aber was, wenn er nur eine Fata Morgana gewesen war, von der uns Beck immer erzählt hatte? Am Boden zerstört schleppte ich mich zurück in den Schatten. Meine Kraft schwand. Kein Essen seit Tagen, ich war zu schwach, um mich zu verwandeln, diese unerträgliche Hitze. Die Hitze kam nun auch von innen. Aus meinem Magen. Mein Mund war trocken, meine Zunge zu groß für meinen Mund. Rote Punkte begannen vor meinen Augen herumzutanzen und alles um mich herum begann sich zu drehen, schwankte hin und her. Eine wilde Achterbahnfahrt. Plötzlich wurde mir unsagbar übel und ich erbrach mich in den heißen Sand. Es war Wasser. Ich verlor Wasser! Nein! Noch einmal zog sich mein Magen krampfhaft zusammen und ich krallte mich im Sand fest. Ich würgte und schluckte. Ich schluckte noch einmal. Ich konnte nicht noch mehr Wasser verlieren! Doch da war es schon zu spät. Nach einem weiteren Schwall Wasser aus meinem Magen sank ich erschöpft zusammen. Ices und Arys panische Rufe konnte ich nicht mehr hören. Ich fühlte einen Schlag, der mich unsanft gegen etwas Hartes schleuderte. Dann wurde mir schwarz vor Augen und ich sank ins Schwarze nichts. Verfolgung Gier. Ich wollte sie haben. Sie waren so nah… Ich konnte sie fast riechen. Vom Blutdurst getrieben folgte ich ihrer Spur. Ein Fußabdruck. Noch einer. Sie waren ganz in der Nähe. Hier an diesem Ort musste ein Kampf stattgefunden haben. Mit der Fußspitze trat ich gegen etwas Metallenes. Ein Messer. Ich bückte mich, um es aufzuheben. Das hier würde mir noch nützlich sein. Meine Mundwinkel verzogen sich zu einem bitteren Grinsen. Mein Blick wandte sich wieder dem Fußspurengewirr am Boden zu. An dieser Stelle war jemand zu Boden geworfen worden. Und hier… hier an dieser Stelle war jemand überwältigt worden. Ich entdeckte etwas Glitzerndes im Sand. War das… Eis? Kleine Eissplitter. Ich begriff, dass es vorher noch mehr Eis gewesen war. Ein massiver Berg aus Eis. Er war gesprengt worden. Ich hob ein wenig Eis auf und hielt es in die Sonne. Das Eis schmolz nicht. Es nahm eine schwarze Farbe an, die auf meine Finger zuwanderten. Ich stieß das Ding von mir und betrachtete meine Hand, die nun ebenfalls die Farbe der tiefschwarzen Nacht annahm. Ich schrie auf. Hier war eine dunkle Macht am Werk gewesen. So schnell ich konnte, verließ ich diesen dunklen Ort und folgte den Fußabdrücken, die von diesem Schlachtfeld wegführten. Sie waren ganz nah. Bald würde ich sie finden. Ein Knacken. Ich fuhr herum. Mein Instinkt sagte mir, dass ich hier nicht mehr allein war. Ein Mädchen stolperte auf mich zu. Sie schien panisch, in Angst. Ich stürzte mich auf sie. Sie schrie. Schrie einen Namen. „Beck! Beck! Wir brauchen deine Hilfe!“ hörte ich sie verzweifelt rufen. Wer war Beck? Dieser Name kam mir seltsam vertraut vor. Ich stockte und ließ von ihr ab. Beck… das war… ICH! Mit einem Mal war meine Gier nach Blut wie weggeblasen. „Sie sind in Gefahr…“ stotterte das Mädchen. Die Kuh und der Hund Es war dunkel um mich herum. Eine zarte Wärme streichelte meine Wangen. War ich tot? Eine sanfte Dunkelheit lag auf mir und ich wollte am liebsten wieder einschlafen. Doch ein stechender Schmerz in meiner Rückengegend ließ mich zusammenzucken und brachte mich in die Realität zurück. Wo war ich? Wo waren Ice und Beck? Ich wollte mich aufrichten, doch es ging nicht. Etwas hielt mich zurück. Ich versuchte, meine Finger zu bewegen, doch auch sie waren wie gelähmt, genau wie meine Füße. Der Boden vibrierte. Wo zum Teufel war ich? Hatte uns am Ende Godzilla gefunden und gefressen? Das bezweifelte ich allerdings. Ich lag da und konnte mich nicht bewegen, hatte kein Gefühl mehr in den Gliedmaßen. Mein Orientierungssinn ließ auch zu Wünschen übrig. Wo war oben, wo unten? Ich wusste nicht, wie lange ich dagelegen hatte. Waren es Stunden, Minuten, Tage? Vielleicht ein Jahr? Letzteres bezweifelte ich genauso wie die Tatsache, dass uns Godzilla gefressen haben könnte. Verschwommen tanzten vor meinen Augen schwache Lichter. Das machte mich wahnsinnig. Hatte ich die Augen überhaupt schon geöffnet? Mit aller Kraft hob ich meine Augenlider, nur um sie gleich wieder zu schließen. Nein! Nein. Das war nicht möglich. Wie konnte das sein? War das nicht... mir kam ein halb erleichterter, halb erschütterter Seufzer aus. Der Mann, der da vor mir saß und ein Feuerchen schürte, war der Mann mit den sprechenden Kühen und den gackernden Hühnern! Ach, nein. Es waren tanzende Hunde. Ich erkannte das an seinem wirren Ausdruck in den Augen. Es war tiefste Nacht und ich war alleine mit dem Typen! Und jetzt wusste ich auch, wieso ich meine Hände und Füße nicht mehr spüren konnte: Ich war gefesselt worden! Ich stand gefesselt an- einem Kaktus. Der einzige Kaktus, der hier herumstand. Sonst gab es nur Sand am Boden und mannshohe Felsen. Die Stacheln bohrten sich in meinen Rücken. Das erklärte den stechenden Schmerz meines Rückens. Und das vermeintliche Erdbeben, das ich vorhin verspürt hatte, kam von mir selbst. Ich zitterte am ganzen Leib. Meine Erleichterung wich fürchterlicher Angst. Er hatte doch nicht vor, uns zu… grillen? Ich versuchte, weiterhin so zu tun, als ob ich schlafen würde, aber gleichzeitig meinen Kopf nach links und rechts zu drehen, um nach Ice und Ary zu suchen. Hallo! Hiiiiiiiilfeeeeeeee! Ich wandte meinen Kopf nach links und rechts, konnte aber niemanden finden. Er hatte sie doch noch nicht gegessen? Bei dem Gedanken schauderte mir. Allerdings konnte ich mir diesen Typen sehr gut vorstellen, wie er gerade an unseren Zehen herumknabberte. Ich wollte schon rufen: Ich ergebe mich! Als hinter mir ein Stöhnen ertönte. Ice? War er etwa die ganze Zeit auf der anderen Seite des Kaktusses gefesselt gewesen? Da hatte ich ja Glück gehabt, die Seite mit dem warmen Feuer erwischt zu haben. „Ice?“, flüsterte ich. Vielleicht hatte ich Glück und der Irre war schwerhörig. „Fox?“ murmelte Ice verwirrt. „Wo…“ „Pssssssst!“ Der alte Mann fuhr herum. Oh nein! „Seid ihr auch einmal wach geworden... Fox, richtig?“, ich kniff skeptisch die Augen zusammen. „Aber wie…“, war das einzige, was ich herausbrachte. „Du kannst dich sicher noch an das Gemüse erinnern, das ich dir gegeben habe?“ „Ja, aber…“ Ice bekam von den billigen Plätzen nichts mit. „Was? Von dem hast du was zu essen angenommen?“, ich rastete aus: „Du kennst ihn?“ von der anderen Seite konnte ich ein leises Scharren hören, das auf einen Nicken hinwies. „Sei ruhig, du Biest, sonst mache ich dich kalt!“fuhr ihn der alte an und ich erhielt einen unfreiwilligen Einblick in seinen beinahe zahnlosen Mund. „Wie gesagt, das Gemüse…“ „Was haben sie mit Ary angestellt?“ der alte sah nun wirklich gefährlich, als seine grauen Haare in sein faltiges Gesicht fielen. „Die kleine Göre hat riesige Ranken aus dem Boden schießen lassen, die mich packten und zu Boden drückten. Sie lief davon und ließ euch im Stich, um sich selbst zu retten. Eine schöne Freundin.“ Er senkte seinen Blick auf das Feuereisen, das er aus der Glut gezogen hatte und drehte sich um, um sich an seiner Tasche zu schaffen machte. In dem Moment sprießte eine Blume aus dem Sand. Sie war himmelblau und hatte Schmetterlingsflügelartige Blüten. Ary! Ich wusste doch, dass sie uns nicht im Stich lassen würde! Doch plötzlich fing die Blume an zu brennen. Ich sah mich um. Das Lagerfeuer war zu weit weg dafür. Jetzt war ich zwar erleichtert, aber verwirrt. Hinter einem Felsen konnte ich kurz im Schein des Feuers einen braunen Haarschopf erkennen. Sie war hier.

Die Zensur ist die jüngere von zwei schändlichen Schwestern, die ältere heißt Inquisition.

Johann Nepomuk Nestroy