nortrend

Veröffentlicht von Philipp Pfitscher 13.07.2014  •  Kommentare(0)

Es standen 21 Waggons an unserem Gleis. 21 Kolosse aus Stahl warteten darauf einen Bruchteil an weichem Fleisch ein paar hundert Kilometer weiter zu heben. Manche mit Indurstriewaren gefüllt, andere für Menschen vorgesehen. 

Ich schlängelte mich an den Pendlern, den Routiniers vorbei und stoch ins Innere des Menschenkruges vor. Erleichtert, einen freien Platz gefunden zu haben, stieß ich erstmals das Adrenalin aus mir. Ich saß am Fenster in Fahrtrichtung. Meine Jacke von mir gezogen bemerkte ich wie klein mein Abteil war; noch befand ich mich alleine darin. Ich warf sie auf den gegenüberliegenden Sitz. Noch immer hatte niemand um mich Platz genommen. So wie ich an den Pendlern vorbei gezogen war, würde es noch einige Zeit dauern, bis sich Mitreisende in die Sitze fallen liesen.

Rucksack, Jacke und Schuhe lagen vor mir. Ein Brot hielt ich noch in unruhiger Erwartung vor mir. "Wo waren alle geblieben?", fragte ich mich wieder und wieder. Vor dem Fenster standen potentiell Reisende steif vor der Sicherheitslinie. Sie rauchten, horchten Musik oder blickten in jede Richtung. Der Zug mochte sich nicht zu bewegen. Nein, er war nicht festgekettent oder sonstwas. Er stand ganz einfach Stilll. Ich nahm den Wind aus dem Segel. Es gab keinen Grund für ein Segel. Ich rückte zwischen die Schulterlehnen und presste meine Lider über meine Augen. Ruckartig schob es mich nach vorne. Waggon an Waggon schob der Zug voran. 

Erleichtert öffnete ich meine Augen, blickte nach links und rechts; der Zug passierte altbekanntes. Ich schob meine Ohrhöhrer zurecht und rückte mich tiefer in den Sessel.

Das wilde Vibrieren scheuchte mich kurz auf. Touristen, so nannte man die Mitreisenden aus dem Ausland, rückten unruhig ihren Sitzplatz zurecht..

Sei nicht der Erste, Neues zu Erfassen, der Letzte nicht, das Alte gehen zu Lassen.

Alexander Pope