Angst was zu verpassen

Veröffentlicht von Evi Ploner 13.04.2014  •  Kommentare(0)

Wir haben Angst was zu verpassen,

haben deshalb keinen Freund,

wollen ficken, fressen, saufen,

frei sein jeder Zeit,

tun und lassen was wir wollen,

sein was wir nicht sind,

Abenteuer leben,

uns treiben lassen vom Wind.

 

Wir haben Angst was zu verpassen,

bleiben deshalb immer treu,

wollen unsere Freunde nicht alleine lassen,

sind Fremden gegenüber scheu,

hoffen immer bei den Gleichen zu bleiben

und niemanden zu verlieren,

wollen Schmerzen immer sofort vergessen,

und gleich wie vorher losmarschieren.

 

Wir haben Angst was zu verpassen,

gehen deshalb auch studieren,

wollen sehen wie es ist sich mit Titeln zu markieren.

Gehen weiter, Schritt für Schritt

und nehmen alles mit

was wir nur irgendwie und irgendwo

auf der Straße finden 

und einfach so

an uns binden

können

 

Doch wozu?

 

Wir haben Angst was zu verpassen

und gehen deshalb raus

treffen uns und reden

schenken neu auf.

 

Alles gut und recht, mach ich ja auch gerne

macht Spaß und ist gerecht - und ich glaube dass ich was draus lerne...

 

Aber ist es nicht zu viel,

das Tun und Gehen und Machen

geht es nicht zu weit mit all den Sachen? 

Wir wollen lachen, lassen's krachen, leben vor uns hin

Doch vergessen, dass wir verpassen

wer wir wirklich sind.

 

Wir haben doch nur Angst,

Angst uns nicht zu finden

den falschen Weg zu gehen

uns an die Falschen zu binden.

 

Doch anstatt es rauszufinden,

halten wir uns fest -

an dem was wir haben,

und an dem Rest.

 

Doch frage ich mich,

was uns dazu treibt

immer weiter zu machen

mit den selben Sachen,

zu lachen, zu weinen und wieder zu beginnen

es krachen zu lassen und all diese Sachen...

 

Ist es nicht die Angst, die Angst was zu verpassen?

 

Vergessen wir die Angst!

Die hält uns nur auf,

sie lässt uns verpassen

die wirklich wichtigen Sachen!

 

Denn wenn viel los ist ist es in uns oft leer,

aber wenn es ruhig ist, als ob gar nichts wär

- tobt es in uns, das Meer

es stürmt und weht

und reißt alles nieder

und schreit und weint

wieder und wieder

 

und später dann beruhigt es sich

legt sich hin und wehrt sich nicht

hat keine Angst und lässt auf sich wirken

sieht und lernt - ob von Blättern oder Birken.

Ob es sich mitreisen lassen soll vom Wind

oder lieber stramm steht und stur bleibt (wie so manches Kind).

 

Und dann haben wir uns gefunden und müssen nicht mehr fürchten.

Haben keine Angst mehr zu verpassen, irgendetwas loszulassen,

denn wir haben uns und das ist es was zählt.

Der Rest der kommt und der geht.

 

Wir werden nichts verpassen - wir dürfen uns nur nicht von der Angst treiben lassen. 

Der Umsturz alles Bestehenden wird in der Naturwissenschaft nur von unkritischen Fanatikern probiert,

Werner Heisenberg