käfer

Veröffentlicht von Philipp Pfitscher 21.02.2012  •  Kommentare(2)

der kunststoff verformt sich über dem brennenden lärchenast.

vorgestern, als michael, der freund meiner schwester, mir erstmals über den weg gelaufen war, war mir noch nach feixen gewesen.

wir sprachen über das auf- und ableben der pornoszene im internet. den einfluss internationaler abkommmen, die diese auf uns haben würden. es gab kein ableben. der trieb nach sexueller befriedigung vermochte schon immer leergefegte industrieflächen, reell wie auch virtuell, neu zu besetzen.

wir waren uns wie milliarden anderer, einig darin. es vermochte kein streit zu entstehen. eigentlich war er mir von von anfang an sympatisch; und doch konnte ich nichts mit ihm anfangen. er stimmte mir zu, hakte ab- und an ein, schenkte auf und war auch äußerlich ein blickfang. alles gut.

älter wurde meine schwester monate später. zu einem essen war ich, wie auch andere menschen eingeladen. ich fragte mich, ob sie essen oder trank übernehmen würde.

an jenem abend erfuhr ich davon, was sie genau feierte. stieß an, lachte, trank, aß. vorzüglich, beachtete man nur die spitzen dieses abends. das trinken finanzierte meine schwester, wie ich über umwege erfuhr. noch während ich diese notiz als nichts abtat, bestellte ich mit der rechten hand zwei mal rot und noch ein glas rot.

ein jahr später kam der freundliche herr zu besuch. er brachte keinen wein, keine schokolade. nur eis.

wir unterhielten uns bei wein und chips. er sprach von vergangenen chancen. von verlorenem geld. ich lauschte uninteressiert. seine erläuterungen zur finanz erzeugten desinteresse in mir. ich hatte geld. ich war nicht reich, konnte seinem systematischen geldgewinn nichts abgewinnen. ich war so dumm.

ich mag kein schlechtes wort über martin verlieren. jeder baustein wurde ersetzt. meine legosammlung, die eigentlich eine ansammlung von potentiellen masturbationshilfen war, zerschmolz in der hitze seines tannenbaums.

... das den meisten Menschen Abstruse mit einer gewissen behaglichen Freiheit vorzutragen, wirkt immer vorteilhaft.

Johann Wolfgang von Goethe (an Ch. L. F. Schultz, 5. Sept. 1822)