Wo zart ein Lied

Veröffentlicht von Toni Widmann 20.11.2011  •  Kommentare(0)

Wo zart ein Lied

Wo zart ein Lied gen Himmel steigt,
Er selbst sich ihm entgegenneigt,
Liebkosend grüßet jeden Laut,
Da hast du Göttliches geschaut.

Nicht irdisch ist der sanfte Klang,
Frohlockend traurig, herrlich bang.
Mir ist, als wär ich weggefegt
Und über mich das All gelegt.

Denn das ist, was sich Gott gedacht,
Als er für uns die Welt gemacht!
Der Ton wird Farbe, wird zum Bild
Der Schönheit selbst; so zart, doch wild.

Es ist die Wahrheit, die erscheint,
Die Wahr und Schön allein vereint.
Ihr Ausdruck ist Vollkommenheit,
Ihr Wesen die Unendlichkeit.

Verweisend blickt sie auf die Welt,
Die liebend sie in Händen hält.
Gezeichnet durch den holden Klang
Liegt herrlich da, was Gott gelang.

Wie zu Musik das Bild zerstäubt,
Lieg sprachlos da ich wie betäubt.
In welche Höhen, nie erklommen,
Hast, Mozart, du mich mitgenommen!

Lernen ist wie Rudern gegen den Strom: sobald man aufhört, treibt man zurück.

Benjamin Britten