Reiselust, Reisefrust

Veröffentlicht von Anony Mous 29.08.2011  •  Kommentare(0)

Dass der Landeshäuptling seine Obama-Gehalt verteidigt, finde ich völlig in Ordnung. Das ASTAT hat zu 50 Jahre Bautätigkeit in Südtirol folgende Zahlen parat: 1989 waren von der 6,6% potenziell besiedelbaren Fläche 7.268 ha verbaute. Im Jahr 2006 hatte man die bodenversiegelte Fläche mit 21.122 ha beinahe verdreifacht. Die Leistung, dieses Land mit seinen "Strukturen" - wie sie der Luis zu nennen pflegt - zubetoniert zu haben, verdient ordentlich vergütet zu werden.

Beim (B)Engl von der SMG, mit seinen 280.000 Bruttoeinkommen, habe ich da schon eher meine Zweifel. 2010 gab der bestbezahlte Landes-Manager 9 Mille aus; bei den Einnahmen waren es stolze: 0 Euro! Ja aber der mediale Mehrwert, Südtirol unter den 10 beliebtesten Tourismusdestinationen Europas und vor allem die tollen Hochglanzbroschuren der SMG mit irgendwelchen Marktstudien, die sie selber bezahlt haben? Mehr wert ist mir meine Ruhe! Fakt ist, dass man Samstags von Bruneck bis zur Autobahneinfahrt Brixen mittlerweile 2,5 Stunden in Stau steht und die Tuff-Alm mit Heerscharen schmerbäuchiger Piefke teilen muss. Die Touristiker machen ihren Reibach mit ausländischen Gästen und Personal aus der ehemaligen Donaumonarchie auf Kosten unserer Nerven – wenn wieder einmal ein Kriechtier mit Targa D durch den Ortskern gurkt.

"Genussland Südtirol" habe ich immer für die teuerste Worthülse nach George Doubleyous "weapon of mass destruction" gehalten – und im Grad der Verwüstung mindestens ebenso verheerend wie der Irak-Krieg, wenn ich mir die Neubauten auf Kompatsch anschaue. Gott bewahre uns vor den Folgen der neuesten Kreation vom Bozner Pfarrplatz: "Erlebnisraum Südtirol"! Obwohl, so daneben liegen die SMGler und ihre pfiefkeschen Werbefritzen diesmal gar nicht. Was man in der Südtiroler Gastronomie so alles erleben kann: Herrlich erfrischend so ein ungehobeltes "Wos wellt's 'n" ohne "Grießt enk; Hoila; Nommitog" oder wie auch immer geartete Begrüßungsfloskel, die in der ganzen Welt gebräuchlich scheint, aber noch nicht ihren Weg auf die Gasser Hütte der Villanderer Alm gefunden hat. Erlebnis-Urlaub pur, wenn man im 4-Sterne-Vigilius-Mountain-Resort-von-Matteo-Thun um 18:15 von Barbara barschen Tones von der Terrasse verweisen wird, weil bereits fürs Abendessen gedeckt wird. Die landläufig gelebte Tradition, Gläser und Teller abzuräumen, bevor man aufgestanden ist – so als Wink mit dem Zaunpfahl: Es hopps ols kopp und iatz gähts! "Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erleben", ist uns diese alte Weisheit von Matthias Claudius wirklich mehr als eine viertel Million Euro Jahresgehalt wert?

Ihr Anonymous

Alles, was gegen das Gewissen geschieht, ist Sünde

Thomas von Aquin