Poetry Slam Brixen am 23. März 2011

Von Carla Thuile

Dass Poetry Slam eine der vielfältigsten literarischen Gattungen ist, weiß mittlerweile jeder. Doch am 24. 03.11 erlebten wir einmal mehr die ganze Breite der Slamszene, auch wenn nur drei Kandidaten auftraten.
Slam kann Poesie sein, kurze und streng gereimte Gedichte mit ironischen Zwischentönen. Helga zeigte nicht nur auf, dass Slammen keine Altersgrenzen kennt, sondern auch, wie effektvoll leise Tönen sein können. Von ihren sieben kompakten Texten blieb mir ein melancholisch kritischer Blick auf Scheinheiligkeit und Tod am meisten hängen.
Slam kann ein improvisierter Flirt mit dem Publikum sein, ein völlig freier Monolog ohne tieferem Sinn. Philipp stellte sich auf die Bühne, redete drauflos, blätterte nach Minigedichten oder fragte nach der Bedeutung von Kreativität. Dabei definierte er Kunst als das, „was noch keiner getan hat“, was den Nerv des Poetry Slams sehr gut trifft.
Slam kann Lautmalerei sein, ein Spiel mit Worten. Mit vielen Wiederholungen und Satzfragmenten thematisierte Rüdiger das Wesen von Wort und Poesie. Die Texte und die kraftvolle Stimme überzeugten auch die Jury, sodass er verdienter Sieger des Abends wurde.
Auch Zeremonienmeister Doggi zeigte sich spontan und auf eine herzliche Art humorvoll.

Ich bin verpflichtet, meinen Gegnern Argumente zu liefern, aber nicht Verstand.

Benjamin Disraeli