Poetry Slam Bozen am 07. April 2011

Von Carla Thuile

Es war ein improvisationsreicher Abend, als sich am 07.04 ein Grüppchen Slammer und Slaminteressierte in der Pippo.Stage einfanden. Die Grenze zwischen Teilnehmer und Publikum war an diesem Abend noch fließender, als es beim Slam, der „Dichtung vom Publikum fürs Publikum“, sowieso schon ist. Mehrere Teilnehmer meldeten sich erst im Verlauf des Wettbewerbes an und stellten sich ohne Text und mit einer Hand voll Phantasie auf die Bühne.
Durch ungekünstelte Ehrlichkeit überzeugte der Schlagzeuger Manni, der auf die Bedeutung des Rhythmus in seinem Leben zurückblickte.
Lisa und Raphael versuchten sich beide mit gereimten Improvisationen über den heutigen Tag, die gegenwärtige Situation oder ihre eigene Ratlosigkeit. Während Raphael zaghaft charmant blieb, wagte Lisa mehr Witz und kam in die zweite Runde.
Rudi zeigte einmal mehr, dass Poetry Slam sich nicht nur über inhaltlich gut geschrieben Texte definieren kann, sondern auch über einen kreativen Umgang mit der eigenen Stimme. Er hüpfte über die Bühne, rollte sich in einen Teppich ein und dürfte dabei eigentlich das Reglement des Poetry Slams (Requisitenverbot) überschritten haben.
Das Lipoteam machte mit Schleichwerbung für die eigene Sache einen kurzen Abstecher auf die Bühne.
Felicitas bewies erneut, dass Poetry Slam keine Altersgrenzen kennt, bekam ihre guten Noten und den dritten Platz jedoch mehr für ihr kindlich naives Wesen (Sie ist neun Jahre alt.) als für ihre dichterischen Leistungen.
Christian Wieser, ein alter Slamhase, blieb seinem nihilistischen Stil und seiner trockenen Leseweise treu und erlangte mit einem zynischen Text über Bonbons als Waffen den zweiten Platz.
Verdiente Siegerin des Abends war Eleonore Khuen-Belasi, die als eine der wenigen den Slamabend und vor allem sich selbst ernst nahm. Mit einer sehr rhythmischen Sprache und zwei nachdenklichen Texten thematisierte sie Egoismus und die Kluft zwischen Überzeugungen und Handelsweise: „Es ist leichter für Prinzipien zu sterben, als für sie zu leben.“
Die meisten Improvisationen hatten zwar einen gewissen komischen Wert, dürften aber kaum hohe künstlerische Ansprüche verfolgt haben. Dem Abend wurde ein zweiter Stimmungsdämpfer verpasst: in der Pause wurde ein zwanzigminütiger Film über Südtirols Slamszene gezeigt, der zwar sehr gut den Kontext des Abends verdeutlichte, jedoch die gemütliche Atmosphäre unterbrach und abflachen ließ.

Viele, die vernünftig sind, müssen sich betrinken. Das Beste im Leben ist nichts als Rausch.

George Gordon Noel Byron